AVID Designstudio

AVID Designstudio

From the smallest button to the largest environments, each project is an opportunity to use design to make things better and more efficient.“

 

Das AVID DESIGNSTUDIO ist Preisträger des Sächsischen Staatspreis für Design (Industriegüter / Nachwuchs). Wir trafen Marcel Ebert auf dem Kumm‘ ocke! in Bautzen, wo er von der Gründung seines Unternehmens AVID Designstudio, der Kraft guten Designs und den Herausforderungen in der Oberlausitzer Industrie berichtete.

Wer seid ihr und was macht ihr?
Wir sind ein junges Designstudio, welches sich vor zwei Jahren in Dresden gegründet hat. Im Moment sind wir drei Personen, die aus dem Engineering, dem Fahrzeugbau und der Mediengestaltung kommen. Dadurch können wir vom Entwurf, über die Umsetzung bis hin zur Produktion und Markteinführung einen ganzheitlichen Gestaltungsprozess von Produkten und Markenidentitäten organisieren. Ich selbst komme aus der Oberlausitz. Daher liegt es mir am Herzen, vor allem Unternehmen hier in der Region beim gesellschaftlichen und industriellen Wandel zu unterstützen.

Eine starke Marke ist im Wettbewerb entscheidend. … Design „geschieht“ also keinesfalls zufällig, sondern ist ein strategischer Prozess.
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 Was könnt Ihr bieten und wie arbeitet ihr?
Im Wettbewerb ist eine starke Marke entscheidend. Gutes Design kann überzeugen. Die Produktgestaltung unterliegt einem strategischen Prozess, der sich in die vier Phasen Verstehen, Definieren, Entwerfen und Umsetzen unterteilt. Design „geschieht“ also keinesfalls zufällig, sondern ist ein strategischer Prozess. Bevor wir mit der Gestaltung beginnen, analysieren wir die spezifischen Bedürfnisse der Nutzer, den Markt und die Wettbewerber. Daraus entwickeln wir dann einen konkreten Plan, um die passende Produktsprache zu finden. In einem definierten Rhythmus evaluieren wir gemeinsam mit dem Auftraggeber die Ergebnisse der einzelnen Entwicklungsphasen. Der Gestaltungsprozess wird dadurch für alle Beteiligten transparent, denn am Ende soll kein beliebiges, sondern genau das richtige Produkt entstehen. Wir gestalten also neben der äußeren Form vor allem den Prozess dahin, die Produktion, die Benutzung und das Leben danach. Design bedeutet eben nicht (nur), dass Produkte „schön gemacht“ werden.

Wo seht ihr euch in der Zukunft?
Wir verstehen uns nicht nur als Dienstleister. Auch wir wachsen mit jeder neuen Herausforderung und begreifen uns in einem stetigen Entwicklungsprozess.
Natürlich möchten wir unser junges Unternehmen in den nächsten Jahren am Markt etablieren. Dafür bräuchten wir auch in den ländlichen Regionen eine Infrastruktur, wie sie in Großstädten bzw. im Umfeld von Universitäten vorhanden ist. Damit sind aber nicht nur Makerspaces oder Coworking gemeint, sondern vor allem eine lebendige Community für einen effektiven Austausch. Oft fehlen die Schnittstellen zwischen der Industrie und der Kreativwirtschaft noch. Genau hier sehen wir aber die Chance auf innovative Produkte oder neue Geschäftsfelder. Nicht zuletzt kann gutes Design auch die Attraktivität der regionalen Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften erhöhen.

Unser Herz schlägt hier!
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Welche Herausforderungen seht ihr in der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen?
Eine große Herausforderung für uns besteht darin, ein Bewusstsein für das Potential von Industriedesign bei der Zielgruppe zu schaffen. Wir haben festgestellt, dass es besonders im Mittelstand viele Unternehmen mit innovativen Produkten gibt, diese aber nur mangelhaft gestaltet und kommuniziert werden. Heutzutage funktioniert jedoch die Abgrenzung zur Konkurrenz alleinig über Produkteigenschaften nicht mehr. Stattdessen erfolgt sie in zunehmendem Maße über das Design und zwar an allen Schnittstellen eines Unternehmens.
Die zweite große Herausforderung sehen wir darin, die Zielgruppe überhaupt zu erreichen, um sie für zukünftige Entwicklungen sensibilisieren zu können. Auch wenn durch Unternehmens- und Familiengründung die Zeit oft knapp ist, scheint Netzwerken der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Als noch recht unbekanntes Start-Up sind wir für Anerkennungen, wie den Sächsischen Staatspreis für Design dankbar und versuchen jede Chance zu nutzen, um mit den regionalen Unternehmen in Kontakt zu kommen.
Und selbst dann gibt es keine Garantie dafür, dass wir immer auch die gleiche Sprache sprechen. Der beste Social Media Content nützt uns wenig, wenn die Zielgruppe diese Kommunikationskanäle nicht verwendet. Immer wieder stellen wir fest, dass sich die Generation der Entscheider primär über lokale Printmedien informiert, ganz im Gegensatz zu unserer Generation, die nahezu ausschließlich digitale Angebote nutzt.

„Was wir am meisten brauchen ist Offenheit gegenüber der industriellen und gesellschaftlichen Entwicklung und der Wille, diese maßgeblich mit gestalten zu wollen.“
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Was braucht ihr, um gut arbeiten zu können?
Oh, der Wunschzettel wäre wirklich lang. Na ja, die Digitalisierung wird um die Oberlausitz keinen Bogen machen. Glaubwürdige Marken werden im Wettbewerb, vor allem um Fachkräfte entscheidend sein. Bei der rasanten technologischen Entwicklung, wird es zukünftig auf Agilität, die schnelle Marktdurchdringung innovativer Produkte sowie den Ausbau von neuen Geschäftsfeldern ankommen. Es gibt also viel zu tun; da machen wir uns keine Sorgen.
Natürlich brauchen auch wir eine möglichst hohe Flexibilität und zuverlässige Partner, um Ressourcen nachhaltig nutzen zu können. Aber auch da zeichnen sich positive Entwicklungen in den Mittelstädten und in den ländlichen Räumen ab. Die Lausitz hat sich doch auf den Weg gemacht, die Innovationsregion Europas zu werden.
Wir müssen schauen, wie wir ein gutes Maß finden und unsere Leistungen anerkannt werden. Da sind Auszeichnungen sehr hilfreich, jedoch können wir nicht nur für Wettbewerbe arbeiten. Leider ist das Investment in Startups in Deutschland noch nicht so geläufig. Auch wollen wir nicht nach Berlin, Frankfurt oder Hamburg gehen. Unser Herz schlägt hier!

Was wir am meisten brauchen ist Offenheit gegenüber der industriellen und gesellschaftlichen Entwicklung und der Wille, diese maßgeblich mit gestalten zu wollen.

Interview: Servicestelle Heimat // Reno Rössel